SMBK Titanic Linz - Berichte

Beitragsseiten

 

Convertible-M:    31. Die Katastrophe ( August 2016)

 

Nach einem schönen Urlaub und über 2 Monaten Baupause ging ich wieder in meine Werkstatt, um mal zu schauen, was bei meiner Convertible-M als nächstes Bauteil ansteht.

 Allerdings war ich geschockt, als ich den Rumpf betrachtete.
In den vergangenen Monaten hat das Holz gearbeitet und die spiegelglatte Rumpf-Oberfläche in einen rustikalen Plankenrumpf verwandelt. 

Convertible-M: Problem am Rumpf mit der Lackierung
Convertible-M: Problem am Rumpf
mit der Lackierungt

Die Stösse zwischen den Holzplanken sind jetzt voll sichtbar. An einigen Stellen ist sogar die Holzstruktur durch die Lackschicht  durchgekommen.

Eine richtige Katastrophe!

Hier ein Foto, bei dem ich durch seitlichen Lichteinfall die Unebenheiten möglichst stark sichtbar machte.

 

Was ist da passiert????

Noch habe ich keine schlüssige Erklärung, warum der Rumpf bzw. das Holz derart gearbeitet hat.

Was machte ich?
Die Mahagoni-Leisten leimte ich mit wasserfesten Holzleim auf die Sperrholz-Unterbeplankung, die Versiegelungen (ca. 7x) erfolgten mit G8 Polyurethanlack und die Endlackierungen (ca. 5x) mit 2K Autolack. Der Rumpf wurde auch innen mit G8 versiegelt, damit keine Feuchtigkeit vom Holz aufgenommen werden kann.

Vor der langen Ruhepause war die Convertible-M bereits öfters im Wasser. Aber ein Wasserschaden, der den ganzen Rumpf bedeckt?

Kann es sein, dass der Holzleim mit den Lacken (G8 und 2K-Lack) nicht harmoniert?
Oder es war die Trocknungszeit von ca. 8 Wochen zu kurz?

Dass G8 und 2K-Lack sich nicht vertragen, wäre ein Möglichkeit.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Lack-Unverträglichkeiten waren
- dass die Oberfläche schrumpelig wurde (Falten schlug)
- dass der Oberlack sich ablöste
- dass der Unterlack sich zersetzte
- dass sich eine körnige Struktur bildete

Beim Lackieren mit G8 und 2K-Lack ist mir nichts derartiges aufgefallen. Aber das muss ja gar nichts heißen.

 

Die wahrscheinliche Ursache:

Von einem Experten (Tischlermeister) habe ich interessante Infos zu meinem Problem erhalten.
Hier meine laienhafte Darstellung:

Weissleim verträgt sich mit manchen (aggressiven) Lösungsmitteln von gewissen Lacken nicht.
In diesen Fällen wird das Lösungsmittel des Lack's vom Weissleim aufgenommen, der Weissleim umschliesst die Lösungsmitteltropfen und der Weissleim schwillt an.
Über die Lösungsmittelbläschen bildet sich eine Leimhaut, die ein Verdunsten des Lösungsmittels verhindert.

Wenn man die aufgeschwollenen, überstehenden Leimstellen abschleift, bildet sich wieder eine Leimhaut über die eingeschlossenen Lösungsmittelbläschen und die Leimnaht quillt weiter. Dieser Prozess kann länger als ein Jahr dauern.


Bei solchen Lösungsmitteln/Lacken verwenden die Tischler statt des normalen weissleims einen PU-Weissleim.
Wenn das beschriebene Problem aber bereits aufgetreten ist, werden die verleimten Werkstücke für ein paar Tage bei 60-70 Grad getempert und dadurch alle Lösungsmitteleinschlüsse ausgedünstet.

Das kann ich mit der Convertible-M sicher nicht machen. Da kann ich den Rumpf gleich im Heizungsofen thermisch entsorgen!


Diese Theorie passt genau zu meinem Rumpf-Schadensbild: Die ganzen Klebestellen quellen zwischen den Hölzern hervor.
Egal welche Holzart (Mahagoni, Ahorn oder an der Rumpfunterseite Flugzeug-Sperrholz) verklebt worden ist.

Scheinbar vertragen sich Weissleim (Ponal wasserfest) und der PU-Lack G8 nicht.
Daher äußerste Vorsicht, wenn ihr auch diese Kombination ins Auge fasst!

 

Mein Plan zur Instandsetzung:
Ich sehe momentan nur die Möglichkeit, die Versiegelungs- und Lackoberflächen wieder runterzuschleifen und einen Neuaufbau der Lackschicht zu machen.
Natürlich kann ich nicht soweit runterschleifen, dass die gesamte G8-Versiegelung weg ist.
Das G8 hat sich sicher 1 bis 1,5 mm in das Holz gesaugt. Das habe ich an Bohrungen festgestellt.

Dann werde ich Eposeal (extrem dünnflüssiges Epoxyharz) aufgetragen, mit der Erwartung, das Holz zu wieder zu versiegeln und die Holzleisten zusätzlich zu verkleben.
Ich werde vorher die Verträglichkeit Eposeal mit G8 an einem Musterholz testen (wenn es geliefert ist).

Darauf aufbauend werde ich mit Epoxyharz eine Deckschicht aufbringen und dann mit 2K-Lack finishen.


 In Summe eine Riesenarbeit die ein halbes Jahr in Anspruch nehmen wird. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, den Schaden zu beheben.

 

 

Kommentare  

#1 Guest 2017-12-26 15:47
Sehr geehrter Herr Pink,

Herzliche Gratulation zum gelungen Modell.
Mein ehemaliger Kollege (Herr Trenker) hat mich auf Ihr Projekt aufmerksam gemacht.

Mit besten Grüßen

Kpt. Severin Schenner,
(ehemaliger Projektleiter SilverWave)